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Kultur

Geschichte

Mit den Auslegerkanus...

Arrivée en pirogue à Tahiti
© tim-mckenna.com

Die heute allgemein akzeptierte Theorie ist, dass vor 3.000 bis 4.000 Jahren eine Völkerwanderung von Süd-Ost-Asien aus zur Besiedelung des Pazifiks durch die polynesische Bevölkerung führte.

Zwischen 500 vor und 500 nach Christus machten sich die ersten unerschrockenen Seefahrer auf Auslegerkanus mit Doppelsegel, aus Holz und geflochtenen Fasern gebaut, auf den Weg in den Osten. Ihre Kenntnisse über Wind, Strömungen und Sterne befähigte sie zum Reisen und so besiedelten sie die Inselgruppen des Zentralpazifiks (Cook-Inseln, Tahiti und ihre Inseln...).

Diese großen Expeditionen, die etwa 1.000 nach Christus endeten, begründeten das so genannte‚ Polynesische Dreieck‘, das aus Hawaii (im Norden), den Osterinseln (im Osten), Tahiti und ihren Inseln (im Westen) und Neuseeland (im Süd-Westen) besteht. Die verschiedenen Sprachen dieser Inseln, die von der maorischen Sprache abstammen, sind der Beweis für den gemeinsamen Ursprung ihrer Bewohner

Die Ankunft der Europäer

Im 16. Jahrhundert erreichte erst Magellan und kurze Zeit später Mendaña das Tuamotu-Archipel und die Marquesas. Allerdings war es der Engländer Samuel Wallis, der eine große Rolle in der Entdeckung Tahitis durch die Europäer (1767) gespielt hat. Im darauf folgenden Jahr war es der Franzose Antoine de Bougainville, der die Insel ‘Neu-Kythira’ getauft hat. Ein Jahr später wurden Tahiti und ihre Inseln in mehrere Königreiche und Stammesfürstentümer unterteilt, in denen sich auch ein polynesischer Kult um Weltentstehung und verschiedene Gottheiten entwickelte. Nach und nach predigten protestantische und katholische Missionare das Evangelium auf den Inseln. Im Jahre 1797 gelang es den Anführern mit Hilfe der Europäer, ihre Vormachtstellung zu etablieren und die Pomaré-Dynastie, die Herrscherfamilie Tahitis, zu erschaffen.

Im neunzehnten Jahrhundert waren Tahiti und ihre Inseln Schauplatz der deutsch-britischen Rivalität, die zugleich religiöse, wirtschaftliche und strategische Gründe hatte. Im Jahre 1842 wurde das französische Protektorat schließlich von Königin Pomaré IV (auf Tahiti und Moorea) unterzeichnet; der Eingliederung wurde 1880 von Pomaré V, dem letzten König von Tahiti, zugestimmt.

Die 1960er Jahre markierten einen Wendepunkt für Tahiti und ihre Inseln, die sie mit der Neuzeit konfrontierten. Mit der Errichtung des CEP (Pazifisches Experimentierzentrum) im Jahr 1963 gab es einen Zustrom von Einwohnern, welcher das Wachstum in lokalen Unternehmen und im tertiären Sektor antrieb, sowie zu einem neuen Anstieg des Lebensstandards führte. Eine Konsumgesellschaft entwickelte sich, die bisher noch nicht bekannt war.

Chronologie

  • Von 3.000 bis 4.000 vor Christus: Siedler vom Südpazifik kommen nach Südost-Asien.
  • 3. bis 6. Jahrhundert: Erste Ansiedlungen auf den Marquesas.
  • Von 850 – 1.000: Besiedlung der Windward-Inseln, Cook-Inseln, Osterinseln, Neuseelands und Hawaiis von den Marquesas aus.
  • 1521: Magellan entdeckt einen Teil vom Tuamotu-Archipel.
  • 1595: Alvero de Mendeña entdeckt die Marquesas.
  • 1767: Wallis erreicht Tahiti.
  • 1768: Bougainville tauft die Insel Neu-Kythira.
  • 1774: Cook nimmt den Tahitianer Pa'i mit nach Europa.
  • 1773: Cook's zweite Reise nach Tahiti.
  • 1777: Cook's letzte Reise nach Polynesien.
  • 1788-1791: Meuterei auf der 'Bounty'.
  • 1793: Beginn der Pomaré-Dynastie.
  • 1797: Ankunft der ersten Missionare der 'London Missionary Society'.
  • 1797: Gründung der Pomaré-Dynastie.
  • 1815: Die polynesischen Anführer verlieren den Kampf von Fei Pi. Pomaré II konvertiert zum Christentum.
  • 1819: Pomaré II gründet den Pomaré-Code.
  • 1836: Englischen Protestanten gelingt die Vertreibung französischer Missionare.
  • 1841: Depetit Thouar verkündet das französische Protektorat von Tahiti.
  • 1844-1847: Französisch-tahitianischer Krieg.
  • 1847: Pomaré IV akzeptiert das französische Protektorat.
  • 1914-1918/1939-1945: Zahlreiche Inselbewohner unterstützen die französischen Truppen.
  • 1958: Die EFO (Französische Niederlassungen in Ozeanien) wird zu Französisch Polynesien.

 

Tahiti et ses trésors
© Lam NGUYEN

Die Marquesas sind die Wiege der Ma'ohi-Zivilisation, die sich durch das gesamte Polynesischen Dreieck zieht. Auf den Inseln der Marquesas haben sich große Teile der Bräuche und Traditionen bewahrt und sind auf allen Inseln vorhanden: Die Tiki (Steinstatuen), sowie die me'ae und  paepae, religiöse Stätten und heilige Orte, die pyramidenförmig zusammengesetzt sind.

Die Renaissance der traditionellen Kunst manifestiert sich in der Entwicklung der Tätowierungskunst, die politische, soziale und religiöse Werte ausdrückt. Heute dienen Tätowierungen als Dekoration für den Körper, die Ästhetik der Motive spiegelt jedoch noch immer die ursprüngliche Bedeutung wieder

Ebenso spiegelt sich die traditionelle Kunst im Tanz und den polyphonen Gesängen wie der tarava, ute oder ru'au wider, welche die Tiefe der Seelen polynesischer Menschen ausdrücken.

Diese intensive, kulturelle Bewegung zeigt sich in zahlreichen Festen. Zu den wichtigsten gehört das Heiva i Tahiti, welches jährlich im Juli stattfindet. Gruppen von Sängern, Tänzern, Musikern und Schauspielern, insgesamt bis zu 150, konkurrieren in musikalischen und choreographischen Aufführungen. Poesie findet zu ihrer ursprünglichen Größe zurück in der Redekunst oder 'orero mit ihren spektakulären Tiraden. Sie ist eine alte Form mündlicher Überlieferung, die oft vom reinen Klang der vivo oder der Nasenflöte begleitet wird.

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